01.08.2010 - Arbeit für alle

Arbeit für alle – eine Vision oder eine reale Möglichkeit?
In der Wärchbrogg finden heute bereits 60 Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung einen Arbeitsplatz. Der Betrieb erfordert jedoch ein Mindestpensum von 50 % und eine Arbeitsleistung von mindestens 20%. Für Menschen, die diese Anforderungen nicht mehr erfüllen können, möchten wir ein niederschwelligeres Angebot aufbauen.
Arbeit ist ein zentraler Pfeiler der Identität des Menschen. Arbeit vermittelt Selbstwert, gesellschaftliche Anerkennung, Zugang zu sozialen Kontakten und schafft die Grundlage für eine selbstbestimmte Gestaltung des Lebens. Partizipation und Integration sind wesentlich auch an Arbeit gebunden.

Wertschöpfende Tätigkeit
Als geschützte Werkstatt bietet die Wärchbrogg jenen Menschen Arbeit, deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt stark eingeschränkt sind. Angepasste Arbeitsarrangements ermöglichen diesen Menschen, trotz Beeinträchtigung eine wertschöpfende und produktive Tätigkeit auszuüben. Die Menschen werden agogisch begleitet und gefördert, ohne überfordert zu werden. So können sie ihre persönlichen, sozialen und beruflichen Kompetenzen nutzen und erweitern. Ein Mitarbeiter formulierte es so: «In der freien Wirtschaft erhalte ich keine Chance, hier habe ich einen guten Job. Das ist das Beste dran.»
Unser Ziel in der Wärchbrogg ist, mit den Mitarbeitenden eine möglichst selbstbestimmte Lebensgestaltung und die Integration in eine autonome gesellschaftliche Rolle zu erreichen. Ermöglicht wird diese tägliche Arbeit einerseits durch den Leistungsauftrag des Kantons Luzern und andererseits durch unser Fachpersonal, das an der Nahtstelle zwischen Wirtschaft und Sozialbereich tätig ist und in beiden Bereichen Erfahrung und Handlungskompetenz mitbringt.

Steigender Druck
In der Privatwirtschaft weht ein rauer Wind. Der Druck auf Arbeitnehmende ist gestiegen, das Berufsleben ist im Umbruch, Hektik und Stress nehmen zu. Viele Menschen sind dieser Entwicklung nicht mehr gewachsen. Das zeigt sich daran, dass die Anfragen und Anmeldungen für die geschützten Arbeitsplätze im letzten halben Jahr stark zugenommen haben. In der Wärchbrogg fanden bisher 50 Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung einen Arbeitsplatz. Mit dem Um und Ausbau kann diese Zahl nun auf 60 erhöht werden. Um all diese Mitarbeitenden zu beschäftigen, braucht es genügend und angepasste Arbeit. Dies ist für unsere Arbeitsakquisition eine grosse Herausforderung und erfordert viel Erfahrung, beste Beziehungen und ausdauernde Kundenwerbung.

Ein zweites Angebot
Gleichzeitig haben wir immer wieder mit Menschen zu tun, für die wir nicht mehr die geeignete Arbeitgeberin sind. Aus gesundheitlichen Gründen oder altershalber können diese Menschen unsere Anforderungen nicht erfüllen. Doch was geschieht mit jenem Mitarbeiter, der nach 20 oder 30 Jahren Arbeit in der Wärchbrogg zu schwach wird, das Pensionsalter aber noch nicht erreicht hat? Und was ist mit der Anfrage jener psychisch beeinträchtigten Frau, die zwar lediglich 20-30% arbeiten kann, dieses Arbeitspensum aber unbedingt brauchen würde für ihr selbstbestimmtes Leben und ihr Selbstwertgefühl? Für diese Menschen ein entsprechend niederschwelliges Angebot zu schaffen, ist eine Vision, die ich in nächster Zeit konkretisieren möchte. Es geht um ein Angebot, das den Menschen einerseits ermöglicht, mit Teilzeitpensen unter 50% einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen, und das andererseits älter oder schwächer werdenden Mitarbeitern in der Wärchbrogg ein «internes Wechseln» möglich macht.

Sieben neue Arbeitsplätze
Dieses zweite Angebot - in Form eines Ateliers oder einer Beschäftigungsgruppe - sollte mittelfristig sieben neue Arbeitsplätze umfassen. Auf diese Weise könnten wir 14 Menschen einen strukturierten Tagesablauf, die nötige Begleitung und Förderung bieten und so ihre Lebensqualität verbessern. Ich danke allen, die diese Vision unterstützen!
Monica Walker, Geschäftsleiterin

Geschäftsleiterin Monica Walker: «Ich verfolge das Ziel eines zweiten, besonders niederschwelligen Wärchbrogg-Angebotes.»

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