01.09.2010 - Die Balance ist wichtig
Die Balance ist wichtig
Als Gruppenleiter und Arbeitsagoge ist Peter Grüter in der Wärchbrogg dafür besorgt, dass die Mitarbeitenden ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt und gefördert werden. Am Schluss müssen auch die Kunden aus der Wirtschaft zufrieden sein.
pb. Mit Peter Grüter kommt man schnell und unkompliziert ins Gespräch. Der Gruppenleiter hat Menschen gern, egal, welchen Status und welche Herkunft sie haben. Seine soziale Ader gehört auch Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung, wie sie in der Wärchbrogg ein und ausgehen. Mit ihnen hat er jeden Tag zu tun. Die Tätigkeit gefällt ihm. Er ist mit Engagement und Herz dabei.
Spannungsfeld
Grüters Arbeitstag beginnt mit der morgendlichen Arbeitssitzung. Hier wird im Team bestimmt, was für Arbeiten erledigt werden müssen und welche Mitarbeitenden dafür eingesetzt werden. Wenn die Mitarbeitenden gegen 7.30 Uhr eintreffen, können sie auf den Arbeitsplänen nachsehen, wo sie an diesem Tag im Einsatz stehen. Dem Gruppenleiter Peter Grüter, der 100 Prozent arbeitet, sind 13 Mitarbeitende zugeteilt, für die er Bezugsperson ist. Zu dieser Gruppe gehören zwei weitere Gruppenleiter, die je ein 60ProzentPensum haben.
Arbeiten vorbereiten, sie möglichst effizient verteilen und die Qualität der Arbeiten immer wieder kontrollieren: Das sind ein paar der wiederkehrenden Tätigkeiten des Gruppenleiters. «Ich stehe zwischen dem Mitarbeitenden, der Anleitungen und eine gewisse Betreuung braucht, und dem Kunden, der eine professionell verrichtete Arbeit will. Dieses Spannungsfeld ist interessant und macht einen grossen Teil der Herausforderung aus», sagt Grüter. Immer wieder muss er die richtige Balance finden, wie und in welchem Ausmass er die Arbeit organisiert: Hier der Mitarbeitende, der nicht jeden Tag die gleiche Form mitbringt. Dort das Unternehmen, das seine Aufträge oft sehr kurzfristig anmeldet oder sie schnell erledigt haben will, weil die Zeit drängt. «Der Zeitdruck ist auch bei uns ein Thema. Wir müssen oft schnell entscheiden, was Priorität hat, und umdisponieren. Man muss improvisieren können.»

Grundhaltung
Peter Grüter ist auf Umwegen zu seinem sozialen Job gekommen. Nach einer Lehre als Bäcker Konditor hat er nur kurz auf dem erlernten Beruf weitergemacht. 25 Jahre lang arbeitete er beim Fahrradbauer Villiger in Buttisholz, wo er schon bald eine Abteilung übernehmen konnte. «Ich habe in der Entwicklung der Rahmengestelle mitgearbeitet und war verantwortlich für gut ein Dutzend Mitarbeiter.» 2002 wurde die Fabrik geschlossen und Grüter war gezwungen, eine neue Arbeit zu suchen. Er war 45 Jahre alt.
Dass er schon sehr bald in der Wärchbrogg als Gruppenleiter einsteigen konnte, kam nicht von ungefähr. Er kam aus der Industrie und hatte Führungserfahrung. Mindestens so wichtig war seine Grundhaltung. «Ich arbeite gerne mit Menschen zusammen. Das soziale Denken ist mir nie fremd gewesen. Bei Diskussionen habe ich schon früher die schwächeren Menschen immer ein wenig in Schutz genommen.»
Auf Augenhöhe
Bedingung für den neuen Job war, dass er nebenher eine Ausbildung als Arbeitsagoge machte. Dort lernte er, wie man Menschen mit einem erschwerten Zugang zur Arbeitswelt unterstützt, damit sie trotz ihren Beeinträchtigungen eine produktive Tätigkeit ausüben können. Es brauche Fingerspitzengefühl, wenn man mit Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung arbeite. «Du musst die Leute richtig wahrnehmen können, ihre Stärken und Schwächen erkennen, ein Gespür haben für sie.»
Peter Grüter nimmt die Mitarbeitenden ernst. Wenn er merkt, dass jemand nicht so gut drauf ist, spricht er die Person an. Je nachdem organisiert er für seine Bezugspersonen Termine mit Psychologen oder Psychiatern, vermittelt, telefoniert. Grüter ist kein distanzierter Vorgesetzter. Manchmal packt er als Gruppenleiter bei den Arbeiten selber mit an. «Dann setze ich mich zu einem Mitarbeitenden, klebe Couverts oder packe etwas ein. So kann ich mit meinem Gegenüber über Gott und die Welt reden. Die meisten schätzen das auch.»

