Wärchbrogg

Gesellschaftlicher Druck löst Störungen aus

In der Wärchbrogg arbeiten Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Was sind das für Krankheitsbilder? Und warum kann eine Institution wie die Wärchbrogg hilfreich sein? Ein Gespräch mit Sabine Abele, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie in Luzern.

Sabine Abele, wann ist jemand psychisch beeinträchtigt und muss die Hilfe von psychiatrischen Fachpersonen in Anspruch nehmen?

Es gibt ein weites Feld von psychischen Störungen. Das geht von Depressionen und Belastungsstörungen über Angststörungen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen bis zu Schizophrenie und wahnhaften Störungen. Bei jeder dieser Störungen gibt es wieder unterschiedliche Ausprägungen und Schweregrade. Einige Störungen können akut und vorübergehend sein, andere verlangen längere Behandlungen und weitergehende Massnahmen. Es gibt auch Menschen, bei denen die Symptome ihrer psychischen Erkrankung so stark sind, dass sie nicht in geschützten Werkstätten wie der Wärchbrogg arbeiten können.

Welche psychischen Beeinträchtigungen haben denn Menschen, für die eine geschützte Werkstätte geeignet ist und eine gute Lösung sein kann?

Verallgemeinerungen sind schwierig. Aus meiner Erfahrung sind in Institutionen wie der Wärchbrogg am ehesten Menschen anzutreffen, die an Depressionen, Angststörungen, Zwangsstörungen, Borderline-Phänomenen oder den Auswirkungen vergangener Sucht-erkrankungen leiden. Es sind Beeinträchtigungen, mit denen die Betroffenen je nach Schweregrad recht gut umgehen können, vor allem, wenn sie eine stabile Struktur im Alltag haben, wie sie eine geschützte Werkstätte vermitteln kann.

Depressionen sind ein häufiges Phänomen. Wie treten diese in Erscheinung? Was bewirken Sie in einem Menschen?

Depressionen führen in den allermeisten Fällen vor allem zu einer deutlichen Stimmungsverschlechterung. Damit einher gehen Antriebsstörungen. Die Aktivitäten werden eingeschränkt. Die Betroffenen bleiben oft im Bett liegen oder sitzen nur noch vor dem Fernseher. Haushalts-arbeiten fallen schwer. Konzentration und Gedächtnisleistungen nehmen ab. Die Belastbarkeit vermindert sich. Dadurch werden die Leute weniger stressresistent, sie vertragen nichts mehr.

Wie behandeln Sie solche Menschen? Wann kommt zum Beispiel die Wärchbrogg ins Spiel?

Im Verlaufe einer ambulanten oder stationären Behandlung der Depression kommt irgendwann der Punkt, wo es um die Arbeitsfähigkeit geht. Kann der oder die Betroffene wieder im Büro oder in einem Betrieb arbeiten? Vielleicht ist der Klient unsicher, es zeigen sich Ängste, die Belastbarkeit ist gering. Hier gilt es abzuklären, wie belastbar der Klient oder die Klientin ist. Diesen wichtigen Part übernehmen die geschützten Werkstätten. Dort zeigt sich dann, inwieweit jemand nur eine Übergangszeit braucht, um wieder in den ersten Arbeitsmarkt einzusteigen, oder allenfalls dauerhaft einen geschützten Arbeitsplatz benötigt.

Lesen Sie das ganze Interview mit Sabine Abele in unserer Zeitschrift.

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